Schloss Gröditz und der 30jährige Krieg

Der Beginn des 30jährigen Krieges in der Oberlausitz und die Herren von Gersdorff auf Gröditz

©http://pepperchiefs.com/schloss-groeditz/
©http://pepperchiefs.com/schloss-groeditz/

Als Anlass für den Ausbruch des 30jährigen Krieges gilt allgemein der Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618. Dass dieses Ereignis eine derartig verheerende Wirkung haben konnte, ist vor allem der rücksichtslosen Gegenreformation der unter dem Einfluss der Jesuiten stehen-den katholischen Reichsfürsten zuzuschreiben. 

 

Zur Vorgeschichte der Böhmischen Unruhen ab 1618: Auf dem Konzil zu Konstanz wurde 1415 der Tschechische Reformator Johannes Hus entgegen dem vom Kaiser Siegismund zugesicherten freien Geleit gefangen und als Ketzer verbrannt. Daraus entstanden reformatorische Bestrebungen, die seither die Böhmische Kirche spalteten, und die Hussitenkriege, die bis 1436 die um Böhmen liegenden Länder entsetzlich verwüsteten.

 

Nach dem Sieg über die Hussiten unter Ziska gewann 1452 Georg Podiebrad als Führer der Utraquisten (latein. utraque = beide, d.h. das Abendmahl in beiderlei Gestalt = Laienkelch) die Macht in Böhmen und nach dem Tod des Königs Ladislaus postumus (nach d. Vaters Tod geboren) wurde er König von Böhmen. Unter ihm entstand die „Unitas fratrum Bohemorum“, die das Christentum in Friedensliebe und humanitärer Gesinnung leben wollte. 

 

Er strebte einen Bund der christlichen Fürsten zur Erhaltung des Friedens an und plädierte für ein Schiedsgericht, das die Macht haben sollte gegen Friedensstörer Sanktionen zu verhängen. Aber Georg Podiebrad wurde vom Papst angefeindet, da nicht der katholischen Kirche konform, und unterlag 1468/69 dem Angriff des Ungarischen Königs Matthias Corvinus. Dieser trat die Nachfolge in Böhmen, Mähren, Schlesien und bei den Lausitzern an. Daher rührt das große Standbild des Matthias Corvinus über dem Tor der Ortenburg in Bautzen! Nach dem Tod des Matthias Corvinus 1516 wurde sein Sohn Ludwig II. (1516-1526) König von Böhmen. Auf ihn folgte dessen Schwager Erzherzog Ferdinand I. von Österreich.

 

Mit Luthers 95 Thesen begann 1517 die Reformation, die sich dank der guten „Vorarbeit“ der Katholischen Kirche in Windeseile ausbreitete und am Ende des Jahrhunderts den größeren Teil des deutschen Sprachraumes er fasst hatte. Mit dem Tridentinischen Konzil 1545-1563 grenzte die Katholische Kirche bewusst die Protestanten aus und begann unter dem Einfluss der Jesuiten die Gegenreformation. 

 

Kaiser Rudolf II. (1576-1612) holte die Jesuiten nach Prag und verschärfte dadurch die Differenzen zwischen den Protestanten und Katholiken. Um die Lage zu entschärfen erteilte der Kaiser den Böhmischen Ständen 1609 mit dem „Majestätsbrief“ das freie „exercitium religionis“, das ist die Zusicherung der völligen Religionsfreiheit. Die Böhmischen Nebenländer, Mähren, Schlesien Ober- und Niederlausitz, strebten auch nach einem „Majestätsbrief“, was den Schlesischen Fürstentümern gelang, worum sich aber die beiden Lausitzen vergeblich bemühten. Nachfolger Rudolfs wurde sein Bruder Matthias (1612-1619), der seinem streng katholischen Vetter Ferdinand, Herzog der Steiermarck, gegen den Widerstand der protestantischen Stände die Nach-folge in Böhmen, Ungarn und im Reich zusicherte. 

 

Ferdinand II. (1619-1637), von Jesuiten streng im Katholischen Glauben erzogen, setzte in seinem Herzogtum Steiermark die Gegenreformation rücksichtslos gegen die großteils protestantische Bevölkerung durch: die evangelischen Pfarrer wurden ausgewiesen, wer nicht zum Katholizismus zurückkehrte, wurde außer Landes gewiesen und durfte günstigstenfalls das mitnehmen, was er transportieren konnte. 

 

Die Böhmen wollten dieses Schicksal nicht auch erleiden und da ihr Königtum eigentlich ein Wahlkönigtum war, dachten sie sich einen anderen König zu erwählen. Als nun Ferdinand Emissäre schickte, den „Majestätsbrief“ aufhob, also die kaiserliche Zusicherung der Glaubensfreiheit für null und nichtig erklärte, warfen sie diese Unglücksboten kurzerhand aus dem Fenster, obwohl sie unter Kaiser Matthias 1617 Herzog Ferdinand als ihrem zukünftigen König eine Eventualhuldigung abgelegt hatten. 

 

Bis zum Fenstersturz bestanden klare Verhältnisse und jeder wusste, wo sein Platz war. Jetzt aber wurde es kompliziert, denn ein Königreich ohne König war unmöglich und die Umwandlung in eine verfasste Demokratie war undenkbar. 

 

Bisher hatten die Böhmen eifrig darüber gewacht, dass das Recht den König zu wählen nur ihnen allein zustand. Jetzt wollten sie ihrem Votum doch lieber eine breitere Basis geben, vor allem auch die Verantwortung für die Folgen ihres Tuns auf mehrere Schultern verteilen. Folglich schickten sie Gesandte in die Nebenländer, auch in die Oberlausitz nach Bautzen, um ihr Tun zu rechtfertigen und in Verhandlungen wegen neuer Modalitäten für die Königswahl zu treten. Auch wenn breite Kreise der Bevölkerung der Oberlausitz die Handlungsweise der Böhmen verständlich fanden, so war doch der Ständische Ausschuss in Bautzen der Meinung, dass man zwar die Böhmischen Glaubensverwandten wegen der Behinderungen im Glauben bedauere, dass man aber einen weniger radikalen Weg richtiger gefunden hätte. 

 

Der Ausschuß stellte sich als loyaler Untertan des Kaisers dar und ermahnte die Böhmen zu Respekt vor dem Kaiser und zur Rücksichtnahme auf die katholischen Mitbürger. Er wolle den Böhmen gern mit Rat und Tat beistehen, aber nur mit legalen Mitteln. Gleichzeitig mit der Bitte um Hilfstruppen zu Ross und zu Fuß kam die Aufforderung aus Prag Abgeordnete zu entsenden „zu vertraulicher Communication“. 

Mitten unter diesen Verhandlungen für und gegen den Frieden starb am 20. März 1619 Kaiser Matthias, krank, schwach und tief gebeugt über die religiösen Zerwürfnisse seiner Untertanen, vor allem aber über die Differenzen mit seinem designierten Nachfolger Ferdinand von Steiermarck. Dieser hatte schon bei Lebzeiten des Kaisers die Regierung an sich gerissen und durch seine Unduldsamkeit gegenüber den Protestanten Hass und Zwietracht im Reich gesät. Er hatte den festen Vorsatz den Protestantismus auszurotten und gedachte diesen Vorsatz als Kaiser auszuführen! 

 

Die Oberlausitz schickte also Deputierte nach Prag, die vor allem versuchen sollten einen „Majestätsbrief“ zu erhalten. Weiter sollten sie sich der Schlesisch-Böhmische „Union“ anschließen und sich zu gegenseitiger Hilfe verpflichten, aber nur so weit, als sie treue Untertanen des Kaisers bleiben könnten. Nach entsetzlichem Gefeilsche wurden sie also aufgenommen und die „Union“ zu einer „Conföderation“ ausgebaut mit dem Ziel darin alle Habsburgischen Länder zu vereinigen zur Verteidigung der evangelischen Religion. Anschließend wurde eine allgemeine Zusammenkunft verabredet und dabei sollten die Oberlausitzer Gesandten nicht nur als Übermittler der Verhandlungen an ihre Räte teilnehmen, sondern mit Plenipotenz und Handlungsvollmacht ausgestattet sein.

 

Diese Zusammenkunft fand im Juli und August 1619 in Prag statt. Sie wurde dominiert von den Böhmen, die sich bereits im Krieg mit Kaiser Ferdinand befanden. Mähren schloss sich meist bedingungslos den Böhmen an, Schlesien nur, wenn seine besonderen Interessen gewahrt wurden und die Oberlausitz lavierte in beispielloser Hilflosigkeit: sie schloss sich Böhmen an, das sich im Krieg mit Ferdinand befand, wollte aber treuer Untertan des Kaisers bleiben, sie verpflichtete sich zu Hilfsleistungen an Truppen und Geld, die aber nicht gegen den Kaiser verwendet werden sollten etc.

 

Gänzlich entsetzt waren die Oberlausitzer, als die Böhmen die Frage aufwarfen, ob Kaiser Ferdinand wegen der Verfolgungen der Protestanten als König von Böhmen anzunehmen sei. Dabei stellte sich heraus, dass die Böhmischen Stände bereits insgeheim mit Kurpfalz Verbindung aufgenommen hatten und Friedrich V. als König favorisierten. Die Oberlausitzer erklärten, sie seien davon ausgegangen, dass Kaiser Ferdinand König von Böhmen bleibe. Für diese neue Entwicklung müssten sie erst von zu Hause Instruktionen einholen.

 

Der Bautzener Landtag von 19. August 1619 führte in einem Schreiben an sie aus: „Die Ober-lausitzer hätten König Ferdinand 1617 freiwillig als König und Markgrafen angenommen und ihm Treue geschworen… Somit sollten die Gesandten „pro rejiciendo rege Ferdinando praegnantiores rationes“ vorbringen, durch welche ihr Landtagsschloss von 1617 und ihr jurament salviret und sie selbst vom Eide gebührlich liberiret werden könnten, so seien sie nicht gemeint, sich von den übrigen Ländern abzusondern, doch sollten die Gesandten zuvor diese relationes, und wie mit der rejectio zu procediren und dieselbe zu effektuiren, ihnen notificiren, also in jedem Fall erst Regreß an die Oberlausitzischen Stände nehmen“. Eine Vollmacht war dies nun wirklich nicht und bei allem hin und her konnten die Gesandten eigentlich nur alles falsch machen. Und das taten sie auch, denn als die Instruktion endlich eingegangen war und die Oberlausitzer für König Ferdinand stimmen wollten, da hatten die anderen Länder sich bereits für Friedrich von der Pfalz entschieden und den Oberlausitzern blieb nur übrig sich diesem Votum anzuschließen, denn sonst hätten sie sich direkt nach Abschluss der Konföderation schon wieder in Gegensatz zu deren Mitgliedern gebracht.  

 

Nach dieser Wahl Friedrichs von der Pfalz entsandten die Oberlausitzer je einen vom Landstand und den Städten mit der Abordnung, die dem neuen König seine Wahl anzeigen sollte. Zu dem nach Prag ausgeschriebenen Krönungslandtag entsandten sie zusätzlich den Amtshauptmann zu Bautzen Adolf von Gersdorff. Er war auch Verweser der Landeshauptmannschaft, denn der Landeshauptmann Graf Dohna hatte erklärt: „er wolle Ferdinandisch sterben“ und war auf seine Güter in Schlesien gefahren. So erlebte Gersdorff sämtliche Krönungsfeierlichkeiten und wurde zur Tafel der Majestäten geladen. 

 

Er gehörte auch zu den „Defensoren“, einer neuen durch die Konföderation entstandenen Behörde zur Verteidigung des evangelischen Glaubens, zu der neben anderen auch der Landesälteste Siegismund v. Gersdorff auf See und Nicolaus v. Gersdorff auf Teichnitz und Oehna gehörten.

 

Jetzt rüstete man in Bautzen für den Huldigungslandtag. Es war schon alles festgelegt, man hatte sogar den Gegenritt, wie man den Fürsten empfangen wollte, geprobt, da kamen von Görlitz Kuriere und meldeten, der König sei eiligst nach Prag zurückgekehrt, weil die Kaiserlichen Truppen, in diesem Fall die Truppen seines Bundesgenossen, des Bayrischen Herzogs Maximilian, beängstigende Fortschritte in Böhmen machten.

 

Langsam merkte auch die Oberlausitz, daß die dunklen Wolken des Krieges immer näher kamen und daß sie ihnen bestimmt nicht ausweichen konnten. Man rief zu den Waffen, aber keiner wollte sie führen. Überall fand man Gründe, warum man selber nicht kämpfen könne, aber „die anderen“ sollten kämpfen.

 

Anfang 1620 bat Kaiser Ferdinand den Sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. ihm im Rahmen seiner Lehnspflichten gegen die Böhmischen Aufständischen beizustehen. Speziell die beiden Lausitzen seien nur durch die Mehrheitsbeschlüsse der anderen Nebenländer Böhmens von ihm abgefallen, sodass beide Länder wahrscheinlich ohne Schwertstreich zurück zu gewinnen seien. So finden wir als Kaiserlichen Emissär in Dresden Carl Hannibal Graf von Dohna, ehemals Landvogt der Oberlausitz, der König Friedrich von Böhmen nicht anerkennen wollte, und dem deshalb seine schlesischen Güter konfisziert und der außer Landes verwiesen wurde. Er betrieb eifrig die Sache des Kaisers.

 

Nach dem üblichen diplomatischen hin und her stellte Ferdinand dem Sächsischen Kurfürsten eine „Commission“ aus, auf Grund deren er die drei Länder Schlesien, Ober- und Nieder-Lausitz in Kaiserlichen Gehorsam zurückbringen sollte.

 

Es ist von jeher darüber gerätselt worden, warum das protestantische Sachsen dem katholische Kaiser geholfen hat das protestantische Böhmen und seine Nebenländer, das protestantische Schlesien und die beiden ebenfalls protestantischen Lausitzen zurück zu gewinnen. Johann Georg I. hat sich von Ferdinand die vertragliche Zusicherung geben lassen, dass er in den Habsburgischen Ländern die freie Religionsausübung zuließe. Außerdem war Friedrich von der Pfalz Calvinist und damals waren die Calvinisten den Protestanten noch suspekter als die Katholiken.

 

Daß Ferdinand den Vertrag nicht hielt und die Gegenreformation brutal durchführen ließ, war später der Hauptgrund für die Auflösung des Sächsisch-Kaiserlichen Bündnisses. 

 

In Bautzen war man so arglos, daß die Kaiserliche Veste, die Ortenburg, nur von einem Wachtmeister und 20 Mann bewacht wurde! 

 

Am 21. August 1620 schickte der Kurfürst ein Schreiben an den Landeshauptmann Adolf v. Gersdorff in dem er ihm anzeigte, dass der Kaiser ihn beauftragt habe die beiden Lausitzen und Schlesien wieder unter Kaiserliche Botmäßigkeit zu bringen. Er beauftragte Gersdorff zum 27. August die Stände nach Bautzen einzubestellen, damit er ihnen die kaiserlichen Anordnungen verlesen könne. Er werde jetzt mit Truppen einmarschieren, aber wenn die Oberlausitz sich friedlich verhielte, hätte sie nichts zu befürchten. Er sichere außerdem den Ständen freies Geleit zu. Falls sie aber nicht friedlich verblieben, werde das einziehende Kriegsvolk den Kaiserlichen Anordnungen den nötigen Nachdruck verleihen. 

 

Nach langem Gezänk entschlossen sich die Stände ihrem Eid zu folgen und dem König Friedrich von Böhmen die Treue zu halten. Sofort wurde nun eilig gerüstet, Waffen ausgegeben und die Verteidigungsanlagen instand gesetzt. Gersdorff meldete diese Entwicklung sofort nach Prag und Schlesien und bat um Unterstützung. Gerade war auch der von König Friedrich ernannte neue Landvogt Graf Schlick eingetroffen, der aber nach acht Tagen wieder abreiste, sodass Gersdorff weiter die Landvogtei vertretungsweise ausübte.

 

Kurfürst Johann Georg schickte einen Gesandten nach Bautzen, der die Kaiserliche „Commission“ verlesen sollte und den Oberlausitzern zusichern, daß diejenigen, die sich an die Befehle des Kurfürsten hielten zu Gnaden auf- und angenommen würden, dass aber denen, die in der Rebellion verharren mit aller Strenge begegnet werde. Dieser Gesandte kam am 6. September um 4 Uhr in Bautzen an. In der Stadt befanden sich keinerlei Truppen, nur die Bürgerwehr be-wachte die Tore. Der Sächsische Gesandte begab sich in seine Herberge und zeigte dem Landeshauptmann v. Gersdorff seine Ankunft an. Dieser begab sich mit einer Abordnung der Stände dorthin und erfuhr, dass der Gesandte am nächsten Tag den versammelten Herrn auf dem Rathaus die Anordnungen des Sächsischen Kurfürsten kundtun wolle. 

 

Eine halbe Stunde später erschien vor der Stadt ein Fähnlein Böhmisch-Schlesische Hilfstruppen, um Bautzen zu entsetzen. Die Bautzener wollten sie nicht einlassen, denn der Sächsische Gesandte sei bereits da, um die Übergabe einzuleiten und um die Stadt wirklich zu verteidigen sei dieses Fähnlein nicht ausreichend. Der Fähnleinführer aber wollte persönlich den Rat sprechen. Man öffnete ihm das Tor und gleichzeitig mit ihm stürmten die Schlesischen Hilfstruppen in die Stadt. Der Fähnleinführer ließ sofort alle Tore besetzen, nahm den Sächsischen Gesandten in Haft und schickte ihn nach Prag.

 

Diese Entwicklung musste der Kurfürst als Kriegserklärung nehmen. Er ließ seine Truppen gegen Bautzen marschieren und schloss die Stadt ein. Die Böhmisch-Schlesischen Truppen aber besetzten von Görlitz aus die übrigen Sechsstädte und die östliche Oberlausitz und setzten sie in Verteidigungszustand. Nun übermittelte der Kurfürst den Ständen einzeln die Kaiserlichen Befehle und forderte sie zur Übergabe auf. Daraufhin ergab sich die Stadt Kamenz und ihrem Beispiel folgten viele Gutsherren und Gemeinden in der westlichen Oberlausitz und baten um das freie „exercitium religionis“ und um Bestätigung ihrer Privilegien.

 

Am 13. September begannen die Sachsen mit dem Beschuss der Stadt Bautzen, aber erst am 2. Oktober gelang es mit glühenden Kugeln die Stadt in Brand zu schießen. Darauf erfolgte die Erstürmung und nach 25 Stunden Handgemenge in den Straßen war die Besatzung bereit bei freiem Abzug die Stadt zu räumen. Die Stadt war mit fast 4000 Kugeln „aus großen Stükken“  beschossen worden, 1.136 Häuser und 5 Kirchen waren zerstört, nur die Ortenburg, das Rathaus und 182 Häuser waren stehen geblieben. Die Ortenburg brannte am 19. Februar 1621 ab, weil die wachhabenden Soldaten dort mit Feuer leichtsinnig umgegangen waren.

 

Am 14. Oktober besetzten die Sächsischen Truppen Baruth und Gröditz, wobei die Schlesische Besatzung freien Abzug erhielt.

 

Am 8. November war die Schlacht am Weißen Berge in der die Böhmischen Truppen eine totale Niederlage erlitten. Das Königtum Friedrichs V. von der Pfalz, des sogenannten „Winterkönigs“, war zu Ende und er musste ins Ausland fliehen. Auf Veranlassung des noch in Görlitz regierenden Schlesischen Kommandanten wurden die leitenden Beamten der Oberlausitz, darunter Adolf v. Gersdorff wegen Verrats verhaftet. Sie mussten aber nach 2 Monaten wieder frei gelassen werden, da ihnen absolut nichts nachzuweisen war. In dieser Schlacht am Weißen Berg fiel Joachim v. Gersdorff auf Lohsa und auf der Rückkehr von dieser Schlacht wurden Caspar, Joseph und Nicol v. Gersdorff, die Brüder meines siebenfachen Ur-Großvaters, von Böhmischen Bauern erschlagen. Nach diesem Debakel suchten die noch von den Schlesiern besetzten Teile der östlichen Oberlausitz mit dem Sächsischen Kurfürsten Frieden zu machen.

 

Anfang  Februar 1621 langte die Oberlausitzter Gesandtschaft in Dresden an. Ihr gehörte auch der Landesälteste Siegismund v. Gersdorff auf See an. Die Abgeordneten unterwarfen sich den Bedingungen des Kurfürsten und am 3. März wurden die Urkunden dieses „Dresdner Accords“ ausgetauscht. Damit garantierte der Kurfürst die freie Religionsausübung und die bis 1618 erworbenen Privilegien und erteilte der gesamten Oberlausitz einen Generalpardon für die Böhmischen Unruhen.

 

Von diesem Generalpardon wurde ausdrücklich ausgenommen unter anderen der Landeshauptmann Adolf v. Gersdorff. Erst nach vielfältigen Bitten erreichten es die Stände, daß der Generalpardon auch für Adolf v. Gersdorff gelte. 

 

Nun waren durch das Bombardement in Bautzen im Landhaus die sämtlichen Originalurkunden der Landesverfassung, Privilegien und ständischen Akten zerstört und durch den Brand auf der Ortenburg sämtliche Akten der Landvogtei und Landeshauptmannschaft. So konnten sich die Sachsen keinerlei Kenntnis der Verwaltung der Finanzen, Schulden etc. verschaffen. Diese Umstände kamen dem ehemaligen Landeshauptmann Adolf v. Gersdorff zu statten, denn er war jetzt der einzige, der einen Überblick hatte. An ihn wendeten sich die Geheimen Räte in Dresden, um über Zustand und Formalitäten des neu erworbenen Landes etwas zu erfahren. Seine Berichte zeichnen sich durch Fachkenntnis und Klarheit, seine Vorschläge durch Zweckmäßigkeit und Verständigkeit aus. Diesen erfahrenen und zuverlässigen Beamten sicherte sich der Kurfürst indem er ihn am 28. Juni 1621 zum Landeshauptmann bestellte, zum Landvogt wieder Hannibal v. Dohna. Da dieser eine Gesandtschaft an den Kaiser anführen musste, ernannte er Gersdorff zum Verweser der Landvogtei. So kam es, dass Adolf v. Gersdorff unter drei verschiedenen Herrn immer das gleiche Amt ausübte und an-scheinend immer zur vollen Zufriedenheit dieser Herren: erst unter den Kaisern Rudolf II., Matthias und Ferdinand II., dann unter König Friedrich von Böhmen (dem Winterkönig) und zum Schluss unter dem neuen Landesherren Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen.

 

Zum 12. Juli 1621 berief der Kurfürst einen Landtag nach Kamenz, denn die Ortenburg in Bautzen war noch zerstört, auf dem er die Huldigung entgegennehmen wollte, Nach den üblichen Solennitäten leisteten nach altem Brauch zuerst die Prälaten kniend, dann die Ritterschaft stehend und endlich die Städte wieder kniend den Huldigungseid. Danach wurden neue Landesbeamte gewählt: Adolf v. Gersdorff wurde in der Landeshauptmannschaft bestätigt und als neuer Gegenhändler (oberster Kontrollbeamter) wurde Caspar v. Gersdorff auf Lipsa gewählt. Ein festliches Gastmahl beendete den Landtag und der Kurfürst konnte dem Kaiser melden, dass er beide Lausitzen wieder in Kaiserliche Subordination gebracht hatte.

 

Nicol v. Gersdorff auf Teichnitz war von König Friedrich zum Gegenhändler der Oberlausitz ernannt worden. Er wurde verurteilt für diese Illoyalität 10.000 Taler an die Kaiserliche Kasse zu zahlen. Das war zwar viel Geld, aber wenn er in Prag gewesen wäre, dann hätte man ihm den Kopf vor die Füße gelegt!

 

Im Juli 1621 schickte der Sächsische Kurfürst dem Kaiser eine Aufstellung der bisher angefallenen Kosten für diese Aktion zu des Kaisers Gunsten, deren Endsumme 2.525.000 Taler betrug und in voller Höhe vom Kaiser anerkannt wurde. Da aber der Friede noch nicht wieder hergestellt war, mussten die Sächsischen Truppen weiter in Schlesien und den beiden Lausitzen stationiert werden, was weitere Kosten verursachte. Dadurch vermehrten sich die Kriegskosten bis Februar 1622 um eine weitere Million Taler. Der Kaiser bot an diese Summe in drei Jahresraten abzubezahlen. Darauf willigte der Kurfürst ein unter der Bedingung, daß ihm solang die beiden Lausitzen als Pfandbesitz überlassen werden. 

 

Inzwischen versuchte der Kaiser die beiden Lausitzen zu veranlassen 3 Millionen als Darlehen aufzunehmen, damit sie Kaiserlich bleiben könnten. Die Stände versprachen nach langem Feilschen 1 Million aufzubringen, aber auch das gelang ihnen nicht. So bat der Kurfürst Ende 1623 den Kaiser um sofortige Zahlung der inzwischen auf 3.926.840 Taler angewachsenen Kriegskosten plus 6 % Zinsen. Da der Kaiser diese Zahlung unmöglich leisten konnte, wurden die beiden Lausitzen dem Sächsischen Kurfürsten als Pfandbesitz überlassen. Sie galten weiterhin als Böhmisches Lehen und der Kurfürst musste sich verpflichten weder in politischen noch in geistlichen Fragen Veränderungen vorzunehmen. So konnten die protestantischen Teile protestantisch bleiben und die katholischen unterstanden weiter dem Bautzener Domkapitel als päpstlicher Institution.

 

Ärger gab es noch mit dem Städtlein Seidenberg, das zur Oberlausitz gehörte, aber im Besitz der Herrschaft Friedland war, die zu Böhmen gehörte. In Friedland saß Christoph v. Rädern, Protestant, der des Landes verwiesen wurde und dessen Güter konfisziert wurden und die der Kaiser an Albrecht v. Waldstein, meist „Wallenstein“ genannt, verkaufte und der dann den Titel „Herzog von Friedland“ führte. Seidenberg blieb bei der Oberlausitz.

 

Der Fortgang des 30jährigen Krieges nahm Kaiser Ferdinand II. jegliche Möglichkeit die verpfändete Oberlausitz jemals auslösen zu können. So ging sie im Prager Frieden 1635 in den Lehnsbesitz Sachsens über, blieb aber weiterhin Böhmisches Lehen mit eigener ständischer Verfassung. Trotz aller Schrecken des 30jährigen Krieges bewahrte die Übertragung der Oberlausitz in Sächsischen Besitz das Land vor den Unmenschlichkeiten der „christlichen“ Gegenreformation und erhielt uns letztlich bis heute unseren evangelischen Glauben! 

 

Von einem anderen Teil seiner Kriegsschulden befreite sich Ferdinand indem er Herzog Maximilian von Bayern die Pfälzer Kurwürde und die Oberpfalz übergab. Der Bayer aber wollte sich beim Papst erkenntlich zeigen für vielseitige Unterstützung und schenkte dem Vatikan die „Palatina“. Das war damals die bedeutendste Bibliothek des Abendlandes zu deren Bestand Zimelien gehörten wie die Manessische Handschrift, das Falkenbuch Kaiser Friedrichs II., die Anthologia Graeca und so weiter! Nach Jahrhunderten gab der Vatikan die Deutschen Handschriften zurück, der Rest mit Falkenbuch, Josuarolle etc. liegt noch heut in Rom. Ein Sonderschicksal hatte die Manessische Handschrift: sie ging nicht nach Rom, sie verschwand und tauchte später in der Kgl. Bibliothek Paris auf. Von dort wurde sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegen ein Konvolut kostbarster und wichtigster, in Frankreich gestohlener Handschriften eingetauscht, die vom Deutschen Reich zu diesem Zweck auf dem Londoner Markt angekaufte wurden.

 

****

©https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons
©https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons

Die Herren von Gersdorff auf Gröditz.

 

Das Kirchdorf Gröditz liegt etwa 15 km ostwärts von Bautzen. Es wird bereits in der Urkunde des Bischofs Bruno II. von Meißen von V. Ka1. Martij = 25. Februar 1222 unter den Pfarrdörfern des Domkapitels Budissin = Bautzen erwähnt. Die Bevölkerung ist teils sorbisch, teils deutsch, weshalb die Gottesdienste bis weit ins 19. Jahrhundert zuerst in sorbischer, danach in deutscher Sprache gehalten wurden. 

 

In der „alten Kirchengalerie“ von 1840 ist das Herrenhaus für mich als der Situation unkundig nicht auszumachen. In dem Ansichtenwerk von Poenicke um 1860 ist das Herrenhaus oben am Rande der Schlucht zu sehen, die die Löbau durch den Berg gegraben hat, wobei die eine Seite der Schlucht zu Gröditz, die andere Seite zu Weicha gehört. 

 

Das Herrenhaus ist mehrfach abgebrannt, wiederaufgebaut und umgebaut worden. In den „Kunstdenkmälern“ wird 1908 von gotischen Grundmauern und einem gotischen Gewölbe gesprochen. Die Seite zur Löbauschlucht ist unregelmäßig gegliedert, wogegen die Schauseite nach dem Wirtschaftshof sich in wohlproportioniertem Barock darstellt. 

 

Heute oder bis vor Kurzem (?) machte das Herrenhaus den Eindruck, dass es zwar lang intensiv genutzt wurde, daß aber nie etwas zu seiner Erhaltung getan wurde. Aber es hat sich ein Verwandter der letzten Besitzer vor dem Krieg gefunden, der den geschichtsträchtigen Bau sanieren und einer neuen Nutzung zuführen will.

Vivant sequentes! 

 

Das Oberamt in Bautzen hat am 15. August 1780 eine „Grund-Taxa“ des Gutes Gröditz mit Zugehörungen in Kortnitz und Wuischke erstellen lassen, die sich erhalten hat. Darin ist alles erfasst, was an Besitz, Nutzungen und Rechten zu dem Rittergut Gröditz gehörte und der Zeit entsprechend bewertet: 

Herrschaftliches Wohnhaus, von Grund auf mit Steinen aufgeführt, mit Ziegeln gedeckt, 2 Stockwerke hoch, große Eingangshalle, links 3 Zimmer, Küche und Wirtschaftsräume, rechts des Flures 3 Zimmer und 2 Gewölbe. Im ersten Stock 12 Zimmer und 3 in die Mauern eingebaute Kleiderschränke. „Domestiquenstuben“, Abtritt, Weinkeller  und ein mit Eisentüre verschlossenes Gewölbe. Nicht ausgebautes großes Mansarddach.Weiter Lustgarten mit 212 Orangenbäumen und gemauertem Gewächshaus mit Schindeldach, auf der gegenüber liegenden Seite des Gutshofes steht das Gesindehaus, gemauert, mit Stroh und Schindeln gedeckt. darin die Gesindestube. Kuhstall und Wagenschuppen. Ferner ein ebenso gemauerter und gedeckter Pferdestall. Im Dach beider Gebäude sind Heu- und Schüttböden. Ferner Gänse-, Hühner- und Schafstall und weitere Ställe, Schuppen und Scheunen. 

 

Außerhalb der Hofreite steht das Brauhaus, gemauert und mit Schindeln gedeckt, mit Braupfanne, Darre, Kühlbottichen etc. und das Malzhaus.

 

Alle diese Gebäude wurden in guten „Dach und Fach“ befunden und bewertet mit Talern 3.000 

 

Nach der Aufstellung von 1777 gehörte zu Gröditz und Pertinentien etwa 700 Hektar Land. Nach der „Ober-Lausitzischen Grund-Taxa“ von 1727 gab es folgende Bonitätsklassen des Bodens: „Gefildischer Grund und Boden“, „Gebürgischer Creyss“ und „Heidischer Creyss“. 

 

 

Gröditz zählte zur besten Bonität, zum „Gefildischen Grund und Boden“ und wurde angeschlagen mit

 Besitzfolge der Herren von Gersdorff auf Gröditz.

 

Adolph von Gersdorff * 1569; + 24. Sept. 1634

Vater war Rudolph d.Ä. v.G. auf Guteborn und Ruhland, Mutter Anna v. Schönberg a.d.H. Schönau.

 

Er wurde im Jahr 1615 Amtshauptmann zu Bautzen, 1618 Verweser der Landeshauptmannschaft, unterzeichnete 1619 das Lehnspaktum, wurde 1620 wirklicher Landeshauptmann, nahm am Landtag zu Prag teil, als es zum Abschluss der Konföderation kam und gehörte zu den „Defensoren“ der Oberlausitz. Er bekleidete das Amt des Landeshauptmanns von 1618 bis zu seinem Tod 1634 in schwieriger Zeit. denn die Oberlausitz war weiterhin Eigentum des Kaisers als König von Böhmen, aber auch der Kurfürst von Sachsen konnte als Kaiserlicher Beauftragter Anordnungen treffen. Er musste also zwei Herren dienen, die ihm absolut nicht immer die gleichen Aufträge erteilten. Folglich vermied er geradezu ängstlich eigene Entscheidungen zu treffen, sondern fragte ständig beim Kaiser oder beim Kurfürsten oder auch bei beiden an, was er wie entscheiden solle. Weit über tausend Eingaben dieser Art sind von ihm erhalten. Aber er wusste ja auch, wie Kaiser Ferdinand mit seinen Böhmischen Untertanen umgegangen ist, weil sie anderer Meinung waren als er! 

 

Nachdem die Oberlausitz dem Kaiser Ferdinand wieder zurückgewonnen war, ließ er überraschenderweise die Kassen prüfen und Gersdorff musste erklären wohin die Einkünfte des Landes gekommen waren. Erst behauptete er, die Rechnungen seien bei den Bränden vernichtet worden, aber die Kassenprüfer fanden sie doch und Gersdorff war es nicht möglich den Verbleib aller Gelder nachzuweisen. Er musste beträchtliche Beträge dem Kaiser erstatten. Leider sind diese Akten nicht vollständig, sodass manche Fragezeichen bleiben. 

 

Seinen Güterbesitz anlangend, verkaufte er zunächst im Jahr 1607 einen bei Hermsdorf gelegenen Weinberg. Sein Gut Guteborn wurden beim Einmarsch der Sächsischen Truppen geplündert und anschließend von den Untertanen total ausgeraubt, sodass nicht einmal mehr die Gitter vor den Fenstern vorhanden waren. Auf Befehl des Kaisers erhielt Guteborn der vormalige Landvogt der Oberlausitz Hannibal Graf Dohna für seine in Schlesien konfiszierten Güter. Am 13. Sept. 1622, nach dem Dresdner Akkord, wurde Adolph v.G. ein „renovirter“ Lehnbrief über Guteborn ausgestellt. Er behielt das Gut aber nicht lang in seinem Besitz, sondern veräußerte es nebst Biehlen, ferner Ruhland nebst Arnsdorf. Im Bautzener Kreis hatte Adolph die Guter Rattwitz, Doberschau und Gröditz wohl in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts erworben. Im Jahr 1627 wurde er Schutzherr und Lehnsträger des Städtleins Weißenberg. Endlich brachte er noch 1630 das Gut Quatitz an sich. 

 

Adolph war vermählt mit Agnisa geb. v. Runge. Er ließ sie nach der zu Torgau am 29. Aug. 1603 errichteten Ehestiftung am 8. Juli 1604 auf alle seine Güter verleibgedingen und vom Hofrichter in ihre Leibgüter immittieren und einweisen. Er starb am 24. Sept. 1634 in Bautzen als Oberamtsverwalter indem er „durch ein sanfftten Simeonsstündlein von dieser Weldt durch den zeitliche Todt abgefordert“ wurde. Immerhin hinterließ er bei seinem Tod neben seinem Güterbesitz 200.000 Taler in bar, bei einem Jahresgehalt von 400 bis 500 Talern! Dieses Kapital wollte er für eine Familienstiftung verwendet wissen. 

 

Er vererbte Gröditz seinem einzigen Sohn:

Hans Wolf von Gersdorff * 12. Nov. 1605; + 27. Jan. 1648

Er wurde in der Petrikirche Bautzen bestattet. Er war kurfürstlicher Rat, Generalkriegskommissar und Kammerjunker, seit 9. Nov. 1640 Landeshauptmann der Oberlausitz. Er besaß die väterlichen Güter Doberschau, Rattwitz und Gröditz, 1637 verkaufte er Doberschau und kaufte von Heinrich v. Zezschwitz ein Wohnhaus auf dem Burglehn zu Bautzen. 1638 wurde er Schutzherr des Städtleins Weißenberg. 1639 erlangte er die Anwartschaft auf die Güter Weicha, Roderwitz und Pertinentien. Das Gut Muschelwitz und die dortige Mühle kaufte er 1641. Er war vermählt mit Ursula v. Haugwitz, Kammerjungfrau der Herzogin von Schleswig-Holstein, die eine Tochter des Kurfürsten Johann Georg I. war. Zu der auf den 1. März 1630 angesetzten Hochzeit auf dem Schloss zu Dresden lud der Kurfürst die Angehörigen des Brautpaares ein. Hans Wolf ist der Vater von Hans v. G., Stifters der v. Gersdorff Weicha’schen Stiftung.

 

Er vererbte Gröditz seinem zweiten Sohn:

Siegmund Adolf d.Ä. von Gersdorff * 1633; + 19. Aug. 1691

Er studierte in Wittenberg, Altdorf und Straßburg. In der Erbauseinandersetzung 1659 hatte er die Güter Gröditz und Weigersdorf erhalten und wurde am 10. Dez. 1661 damit belehnt. ER kaufte 1680 dazu Nieder-Gebelzig und Groß-Saubernitz. ER nahm als Assessor am 2. Sept. 1684 an der Ehrentafel teil. Er war vermählt in kinderloser Ehe mit Marie Dorothea geb. von Gersdorff, die sich wieder vermählte mit Christoph v. Haugwitz. Von ihm erbten Gröditz die Söhne seines Bruders Hans Caspar I. und sein Bruder Hans auf Weicha, der zu Gunsten seiner Neffen verzichtete. 

 

Diese Gebrüder v. Gersdorff verkauften Gröditz ihrem Bruder:

Siegmund Adolf d.J. von Gersdorff * 1. Juni 1665; + 4. Nov. 1704

Er war Leutnant in Königlich Polnischen Kurfürstlich Sächsischen Diensten und kaufte am 16. März 1692 von seinen Brüdern das ihnen gemeinsam zugefallene Gut Gröditz. Verheiratet war er seit 16. März 1696 mit Johanna Sophia geb. v. Rodewitz, die nach seinem Tod am 22. Febr. 1707 eine zweit Ehe schloss mit Wolf Siegmund Gottlob v. Klüx. 

 

Er vererbte Gröditz seinem einzigen Sohn:

Hans Caspar II. von Gersdorf * 28. Mai 1700; + 22. Jul. 1754

Daten nach dem Epitaph in der Kirche zu Gröditz. Zuerst unter der Vormundschaft seines Onkels Georges v. Gersdorff wurde er am 28. Juni 1721 mit Gröditz belehnt. Er war Königlich Polnischer, Kurfürstlich Sächsischer Kammerrat und erbte die Hälfte des Gutes Milkwitz, Vermählt war er seit 26. Juli 1729 mit seiner Cousine Margarethe Eleonore geb. v. Gersdorff (* 10. Nov. 1710, + 18. Aug. 1776), die ihm 9 Kinder gebar. Beider Allianzwappen und Initialen über dem Eingang des Herrenhauses zu Gröditz. 

 

Er vererbte Gröditz seinem Sohn:

Carl August von Gersdorff * 14. März 1737, + 28. Aug. 1786

Er trat in Sächsische Dienste, wurde 1755 Fähnrich im Rutowskischen Dragonerregiment und geriet 1757 in preußische Kriegsgefangenschaft. Auf Ansuchen seiner Mutter erhielten er und sein Bruder 1756 das Dekretum veniae aetatis. Die väterlichen Güter Gröditz, Wuischke, Cortnitz und Weigersdorf zedierten ihm seine Brüder 1763 für 18.000 Taler, 1769 auch Prauske für 5.000 Taler. Letzteres verkaufte er 1771 an die Gräfin Samlour für 5.500 Taler. Er wurde Kursächsischer Kammerjunker. Er war verheiratet seit 8. Juli 1762 mit Johanna Friedrike v. Nostitz (* 2. Dez. 1742, + Juni 1777) die ihm 6 Kinder gebar. Unter seiner Herrschaft ereignete sich ein Unglücksfall: 1770 stieg der 80jährige Kantor auf den Kirchturm, um die Glocke zu läuten. Dabei fiel er hinunter und starb an den Folgen des Unfalls. Seine Söhne Carl Adolf Caspar, Friedrich August Gottlob, Heinrich Wolf und Johann Christian Erdmann verkauften Gröditz am 17. Oktober 1789 für 60.000 Taler an: 

 

Wigand Ernst Traugott v. Gersdorff * 22. Mai 1754; + 22. Okt. 1801.

Er besuchte die Ritterakademie in Liegnitz, das Gymnasium in Görlitz und bezog dann die Universität Leipzig. Er erbte von seinem Vater Mückenhain, Ober- und Mittel-Horka, Behain, Kaltwasser und Särichen. Von seiner Großmutter erbte er je ein halb Nieder-Rengersdorf, Klein-Krauscha und Kodersdorf, die er alle  1780 verkaufte. 

 

1789 kaufte er Gröditz für 60.000 Taler und 200 Taler Schlüsselgeld und verkaufte es 1796 an:

Heinrich Rudolf von Gersdorff  * 6. Juni 1739; + 1. Dez. 1797 

Er trat in Kursächsische Dienste bei der Garde du Corps und avancierte bis zum Major. 1771 kaufte er Weigsdorf für 22.000 Taler und ernennt zu Mitbelehnten seine beiden Brüder Caspar Friedrich und Carl August. 1796 kaufte er Gröditz für 75.000 Taler und verkauft 1797 Weigsdorf für 45.500 Taler. Er wird 1792 in Bautzen in den „weiteren Ausschuß“ gewählt. Vermählt war er seit 8. Nov. 1774 mit Johanna Juliane Elisabeth v. Gersdorff. 

 

Gröditz hinterlässt er seinem Sohn:

Carl Heinrich Traugott von Gersdorff * 6. Nov. 1775; + 18. Juni 1831 

Nach dem Tod seines Vaters erbte er die Hälfte von Gröditz, die er 1817 für 60.000 Taler an seinen Bruder verkaufte. Er und sein Bruder Ernst Gustav waren Universalerben ihres Großonkels Adolf Traugott v. Gersdorff (+ 1807), wobei, durch das Los Carl Heinrich Traugott die Schwertaer Güter zufielen. Er kaufte von seinem Bruder die ihm zugefallenen Meffersdorfer Güter. Er starb „ein Mann voll Wissen und Geist, ein hervorragender Kant-Kenner“. 

 

Ernst Gustav von Gersdorff  *10. Aug. 1780; + 23. 0kt. 1843 

Er besuchte das Gymnasium Bautzen, studierte in Leipzig, Jena und Halle, reiste 1808 und 1809 nach Italien, Frankreich und der Schweiz, wurde 1812 Landesältester des Bautzener Kreises, übernahm wiederholt schwierige und wichtige Aufträge, mit denen die Stände und die Regierung ihn betrauten, war beratend 1815 an der Teilung Sachsens beteiligt, 1831 an der Verfassungsurkunde, 1832 Präsident der Ersten Kammer, 1835 Kreisdirektor in Bautzen.

August Ernst Gustav v. Gersdorff • 1780 - 1843
August Ernst Gustav v. Gersdorff • 1780 - 1843

 

Er war mit seinem Bruder Erbe von Adolf Traugott v. Gersdorf:

Er lässt 1839 die Brücke über das Löbauer Wasser bauen, damit die Einwohner von Weicha auch bei ungünstiger Witterung in ihre Pfarrkirche in Gröditz gehen können. Vermählt war er seit 24. Juni 1817 mit Wilhelmine Caroline Friederike v. Gersdorff. 

 

Als Universalerbin verkaufte sie Gröditz am 27. Sept. 1851 für 119.000 Taler und eine Leibrente von jährlich 200 Taler an:

Georg Rudolf von Gersdorff  * 26. Dez. 1804; + 28. Juni 1894 

Königlich Sächsischer Oberhofmarschall ∞ Johanna Elisabeth Isidore v. Bose (1810-1871) Er kaufte 1851 Gröditz für 119.000 Taler und 200 Taler Leibrente (bis 1871). Seine Erben verkauften Gröditz in fremde Hände.

 

      Johann (Hans) Rudolf August von Gersdorff 

      Letzter Gersdorff auf Schloss Gröditz.


------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Gurlitt, Kunstdenkmäler führt 1908 noch als in der Kirche zu Gröditz befindlich auf:

2 Altarleuchter gestiftet von Leuther v. Temritz und Katharina Margarethe geb. v. Gersdorff 1660 (v. B. I, 544) 

Denkmal des Hans Caspar II.  v. Gersdorff + 1754 (vB.I,548) 

Denkmal der Sophie Margarethe  v. Gersdorff + 1762 (vB.I,483)

 deren 1. Gemahl v. Ziegler 

        deren 2. Gemahl Heinrich Adolf v. Gersdorff + 1757 

 

Da es mir von hieraus nicht möglich ist Archive oder Bibliotheken zu benutzen, kann es sein, daß die einschlägige Literatur nicht vollständig ausgeschöpft wurde. Ich habe nur das Schrifttum zur Verfügung, das sich in meinem Besitz befindet. 

 

Gunther v. Gersdorff, 2009

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Literatur: 

Alte Kirchengalerie. 1840. S.334, Abb.298 

v. Boetticher, W. Geschichte d. olaus. Adels u. s. Güter. Leipzig 1912ff 

Carpzow, J. B. Ehrentempel … 1719 

Cod. dipl. Lus .sup. Ed. G. Köhler. Bd. l. 2. Aufl. 1856 

Großer, S. Lausitzische Merkwürdigkeiten. Lzg. 1714. 

Gurlitt. Kunstdenkmäler Bd. 31, S. 81-88 

Knothe, H. Geschichte d. oberlaus. Adels u. s. Güter. Leipzig 1879 

  Fortsetzung d. Geschichte … Görlitz 1887 

  Anteil d. OL. an d. Anfängen d.30jähr. Krieges 1618-23. 1880 

  Die Oberlausitz 1623-1631. NLH 1889

  Genealogie v. Gersdorff v. Mitte 16. Jh. bis 1623. 1893 

Kollektionswerk. 1799. Bd. 1 

 

 

Protokolle der Geschlechtstage 1572-1661 

Allianzwappen "v. Gersdorff & v. Bose" (das Wappen derer v. Bose ist hier falsch rekonstruiert worden) © Schloss Gröditz
Allianzwappen "v. Gersdorff & v. Bose" (das Wappen derer v. Bose ist hier falsch rekonstruiert worden) © Schloss Gröditz